Tagesablauf eines Pflegebedürftigen Heimbewohners

7:30 Uhr

Ich höre Stimmen im Flur die immer näherkommen. Eine Schwester kommt in mein Zimmer, gestürzt ohne anzuklopfen. Als guten Morgen wird mir gesagt, so Frau Billy jetzt müssen wir aber aufstehen. Schon nimmt die Schwester den bereitstehenden Toilettenstuhl und schiebt ihn an mein Bettende. Schnell zieht sie mir die Socken und die Schuhe im Bett an. Die Schwester setzt mich an den Bettrand und hebt mich auf den Toilettenstuhl. Mit dem Toilettenstuhl werde ich schnell in das Bad gefahren, schon hat die Schwester nasse Waschlappen in der Hand. Das Waschen geht so schnell, als ob die Schwester an einem Fließband nach Stückzahl bezahlt würde. Mühsam folge ich den Anweisungen der Schwester mich an der Haltestange hochzuziehen, das Stehen fällt mir sehr schwer. Die Schwester wäscht meinen Po, legt mir eine Windelhose an. Darüber zieht sie mir die Netzhose, denn ich kann, meinen Urin und Stuhl nicht mehr halten.

8:30 Uhr
ich sitze schon seit einer Stunde im Aufenthaltsraum als, ich endlich das frühstückt bekomme. Zwei Scheiben Toastbrot mit Butter und Marmelade bestrichen, da mein Gebiss keine Semmeln mehr beißen können. Sieben Tage dasselbe frühstückt dazu einen Becher Kaffee und einen Becher Tee.

9:00 Uhr
nun sitze ich ihm Aufenthaltsraum in meinem Rollstuhl, kann mich alleine nicht mit dem Rollstuhl bewegen. Hinter mir höre ich Stimmen aus einem Fernsehengerät. Doch sehen kann ich nichts, weil ich mit dem Rücken zum Fernseher stehe.

10:00 Uhr
inzwischen habe ich meinen Tee ausgetrunken, nur wenige andere Bewohner mit mir im Aufenthaltsraum. Doch keiner der anderen Bewohner spricht etwas, jeder starr nur so vor sich hin.

11:00 Uhr
warten auf das Mittagessen sonst habe ich nichts zu tun, ich tue es den anderen Bewohnern nach und starre so vor mich hin. Lesen kann ich auch nicht mehr, da meine Augen zu schwach sind.

12:00 Uhr
endlich kommt etwas Leben in den Aufenthaltsraum, die anderen Bewohner kommen beziehungsweise werden zum Essen gebracht. Nun sehe ich auch die Schwestern wieder. Die die Suppe wird ausgeteilt, die Schwester stellt, mir einen Teller voll Suppe auf den Tisch, es ist die gleiche Suppe wie einen Tag zuvor. Als Hauptgericht gibt es Schinkennudeln und einen Pudding, den Pudding gab es die Tage zu vor auch schon. Ich bekomme noch einen Becher Tee zum Essen. Da ich selber kein Geld habe, kann ich mir auch keine Getränke kaufen. Ich würde so gerne mal wieder einen Saft trinken, doch mein schmales Taschengeld geht für Medikamente fast alles weg.

13:00 Uhr
es wird wieder still im Aufenthaltsraum, Bewohner die ihren Rollstuhl noch selber bewegen können verlassen den Raum. Und wieder macht sich die Stille breit nur unterbrochen von den Stimmen im Fernsehen hinter mir.

14:30 Uhr
wie jeden Tag wird nun Kaffee und Kuchen verteilt, wieder bekomme ich den gleichen trockenen Marmorkuchen und einen Becher Kaffee an meinem Platz gestellt. Die Schwester räumt anschließend das Geschirr wieder weg. Und ich werde von einer Schwester zur Toilette gefahren. Meine Windelhose ist sehr nass und ich, bin froh das ich nun eine neue Windelhose bekomme. Das Aufstehen fällt mir nun noch schwerer als heute Morgen durch das lange Sitzen.

15:00 Uhr
nun sitze ich wieder im Aufenthaltsraum, draußen scheint die Sonne und es ist sehr warm. Durch das Fenster sehe ich in einen kleinen Park, der immer leer ist. Ich würde so gerne jetzt in den Park gehen. Doch von den drei Schwestern, die nun im Spätdienst 34 andere Bewohner versorgen müssen, hat keine Zeit mich in den Park zu fahren. So sitze ich nun weiter an meinem Platz, an dem ich schon seit heute Morgen sitze. Ich trinke meinen Tee, den mir die Schwester auf den Tisch gestellt hat, ist das nun Pfefferminztee oder Kamillentee?

16:00 Uhr
ich sitze immer noch im Aufenthaltsraum und das seit heute Morgen, ich bin müde und möchte gerne schlafen. Aber die Schwestern haben keine Zeit mich jetzt in mein Bett zu bringen.

17:00 Uhr
von der Küche wird der Essenswagen für das Abendbrot gebracht, Wurst, Käse, Brei stehen auf dem Wagen. Zwei Schwestern verteilen das Abendessen eine Schwester kommt mit dem Medikamentenwagen in den Aufenthaltsraum. Wieder gibt es wie jeden Abend Toastbrot mit Margarine und Wurst dazu einen Becher Tee. Anschließend räumen die Schwestern das Geschirr weg, die Spülmaschine läuft leise vor sich hin.

18:00 Uhr
die Schwestern holen nun einen Bewohner nach dem anderen aus dem Aufenthaltsraum und bringen sie zu Bett.

19:00 Uhr
eine Schwester kommt nun zu mir schiebt, mich den langen Flur entlang in mein Zimmer. Die Schwester legt mir eine neue Windelhose an. Nun noch schnell ein Nachthemd angezogenen und schon fährt mich die Schwester zu meinem Bett. Sie hebt mich aus meinem Rollstuhl in mein Bett der MDK nennt das Transfer. Schnell verabschiedet sich die Schwester, um an das Bett meiner Zimmernachbarin zu eilen. Meine Zimmernachbarin liegt nur noch im Bett, kann nicht mehr aus dem Bett geholt werden. Auch bei ihr wechselt die Schwester die Windelhose, sie muss meine Zimmernachbarin auch auf die Seite drehen man nennt dass, Lagerung.

19:30 Uhr
die Rollos sind unten und die Vorhänge zu, kein Lichtstrahl verirrt sich in mein Zimmer mehr, obwohl es draußen noch taghell ist, meine Bettnachbarin ist schon eingeschlafen. Ich liege noch lange wach.

23:00 Uhr
die Nachtschwester kommt, um mir eine neue Windelhose anzulegen und meine Nachbarin neu zu lagern und ebenfalls eine neue Windelhose anzulegen.

2:00 Uhr
endlich als ich eingeschlafen war werde, ich durch lautes Schreien aus dem Schlaf gerissen. Meine Nachbarin hat laut zu schreien angefangen, die Nachtschwester kommt in unser Zimmer. Versucht die Bettnachbarin zu beruhigen, sie lagert sie auf die andere Seite.

3:00 Uhr
schon wieder werde ich aus dem Schlaf gerissen die Nachtschwester hat, mich aufgeweckt damit sie mir eine neue Windelhose anlegen kann. Dass gleiche macht sie nun bei meiner Nachbarin.

5:30 Uhr
wieder fängt meine Nachbarin zu schreien an, denn sprechen kann sie nicht mehr. Die Nachtwache kommt in unser Zimmer lagert, sie neu.

Und wieder beginnt ein neuer Tag.

Pflegenotstand  Pflege Deinen Nächsten — das Leid der Betroffenen und die Last der Angehörigen

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2 Kommentare zu “Tagesablauf eines Pflegebedürftigen Heimbewohners

  1. Ja da hast hast Du recht. Doch den meisten Menschen intressiert das nicht sie denken nicht an das Alter. Verdrängen das sie selber einemal in diese Situation kommen können. Ich versuche nur ein bisschen die Menschen aufzurütteln sich Gedanken über die Pflegebedürftigkeit zu machen.

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